Eine Invasion für das Leben

Hunderte erwarten die Ankunft der Zapatistas am Wochenende in Vigo

Am 1. Januar 2021 veröffentlichte die indigene zapatistische Autonomiebewegung vom Süden Mexikos aus ihre „Erklärung für das Leben“. Diese unterschrieben auch mehr als 1.000 Gruppen, Kollektive und Personen aus beinahe allen Teilen Europas, um zur Verteidigung der „Welt, in die viele Welten passen“, aufzurufen. Am Wochenende wird nun die Ankunft einer ersten Delegation im Hafen von Vigo in Galizien erwartet.

Auf der Route des Kolonialismus 

Eine siebenköpfige Delegation der indigenen Befreiungsbewegung EZLN*  aus Chiapas, dem südlichsten Bundesstaat Mexikos, verließ am 2. Mai die mexikanische Küste und nahm Kurs auf Europa. Die Zapatistas verfolgten dabei die umgekehrte Route jener Kolonialisten, die einst die Regionen im heutigen Mexiko für die Spanische Krone eroberten. Am Ende ihrer Seereise liegt der Hafen von Vigo in Galizien, ein Ort, von dem aus einst viele Kolonialisten Richtung Zentralamerika aufbrachen. Sie werden während ihrer Reise in rund 30 Ländern Europas auf jene Gruppen und Initiativen „von unten und links“ treffen, die sie eingeladen haben

Die „Invasion“ steht unmittelbar bevor

Bereits am kommenden Wochenende wird ihre Ankunft erwartet und aktuell ein kreatives und würdiges Willkommen vorbereitet. Denn aus ganz Europa treffen derzeit Aktivist*innen in der westspanischen Hafenstadt ein, um die Indigenen nach 500 Jahren Kampf gegen Kolonialismus, Patriarchat und Umweltzerstörung in Europa in Empfang zu nehmen und ihre Solidarität auszudrücken.

Die zapatistische Delegation, die in Vigo erwartet wird, ist lediglich die Vorhut einer ganzen „Invasion“: Rund 160 Indigene aus ganz Mexiko werden in den kommenden Monaten das Europa „von unten und links“ besuchen, wie sie es nennen. „Es wird einen Intensiven Austausch auf zahlreichen Treffen geben, um das Gemeinsame zu finden, was uns zu einer Bewegung macht“, so Andrea Perlow, eine Aktivistin aus der Vorbereitungscrew des Empfangs in Vigo.

Pressekonferenz der lokalen Vorbereitung und einer Delegation von Internationalist:innen am 19. Juni 2021 in Vigo, Galizien


Feministische Erfahrungen im Gepäck

Das Besondere an dieser „Invasion“ ist, dass sie zu drei Vierteln aus Frauen und anderen Geschlechtern besteht und nur zu einem Viertel aus Männern. Die Zapatistas und die Angehörigen des ebenfalls vertretenen Mexikanischen Indigenen-Kongresses (CNI) und eines weiteren Zusammenschlusses von Indigenen aus mehreren Bundesstaaten (FPDTA) betonten in der Vergangenheit immer wieder, wie wichtig die Frauen in ihren Bewegungen waren und sind. Ohne sie hätte es den politischen Prozess der indigenen Bewegungen, ihre Kritik an der Naturzerstörung, am Patriarchat und an der kapitalistischen Wirtschaftsweise so nicht gegeben. 

Wendepunkt in der Geschichte

Die Bewegungen in Europa und weltweit konnten bereits viel von den Zapatistas und den anderen Organisationen des globalen Südens lernen. Die „Reise für das Leben“, wie der Besuch der Maya-Indigenen in Europa genannt wird, soll nun den Wendepunkt in der Geschichte Europas bringen: es wird nichts weniger als das Ende patriarchaler Gewalt, kapitalistischer Naturzerstörung und von Sexismus, Rassismus und anderen Diskriminierungsformen gefordert. Das wirft die Frage nach einer entsprechenden weltumspannenden Organisationsform „von unten und links“ auf. Der Austausch mit den Zapatistas hierüber beginnt am kommenden Wochenende in Vigo.

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* EZLN = Ejercito Zapatista de Liberacion Nacional 

Das „Zapatistische Befreiungsheer“, benannt nach dem mexikanischen Revolutionsgeneral von 1910, Emiliano Zapata, organisiert seit Mitte der 1990er Jahre im Süden Mexikos im Bundesstaat Chiapas eine Autonomie für die indigene Bevölkerung mittels einer basisdemokratischen Ordnung. Dies ist dadurch erreicht worden, weil sich die indigenen Bäuer:innen aus ihrer nachkolonialen Leibeigenschaft durch eine bewaffnete Erhebung am 1. Januar 1994 befreiten, bei der die Großgrundbesitzer enteignet und verjagt wurden. Seither wächst die zapatistische Autonomie und das Selbstbewusstsein der Indigenen in ganz Mexiko.

ℹ️ www.ya-basta-netz.org

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